Woher Verfärbungen im Naturstein kommen
Fast jede Verfärbung im neuen Naturstein hat mit Wasser zu tun. Wasser löst farbige Stoffe im Stein und trägt sie an die Oberfläche. Das Wasser im frischen Zementmörtel macht das schlimmer, weil es alkalisch ist. Die farbigen Stoffe können aus dem Stein selbst stammen oder von außen eindringen.
Kein Naturstein ist ganz dicht, und keiner ist völlig frei von Stoffen, die verfärben können. Das schreibt Thomas Grunenberg, ein Sachverständiger für Naturstein. Wie stark eine Sorte reagiert, hängt von ihrer Zusammensetzung und von ihren Poren ab. Im Zweifel rät er zu einer Probe mit dem geplanten Mörtel, bevor die ganze Fläche verlegt wird.
Dunkle Verfärbungen in Kalkstein kommen oft aus dem Stein
In Kalkstein stecken winzige Mengen organischer Stoffe, darunter Bitumen. Das alkalische Wasser im Verlegemörtel färbt Teile davon braun und macht sie löslich. Dann wandern sie mit dem Wasser an die Oberfläche. Schon sehr kleine Mengen reichen für deutliche Flecken.
Wie stark ein Kalkstein dazu neigt, hängt auch davon ab, wie viel Wasser er durchlässt. Ein Beispiel ist der Kalkstein Jura Grau. Grunenberg zeigt einen verfärbten Boden aus Jura Grau neben dem Stein in seiner eigentlichen Farbe.
Rostflecken im Marmor kommen von Eisen im Stein
Echter Marmor enthält keine löslichen organischen Stoffe. Bei seiner Entstehung unter mehr als 350 Grad und hohem Druck wurden sie zu Graphit, und Graphit verfärbt nicht. Braune Flecken im echten Marmor kommen deshalb fast immer von Eisen im Stein.
Das alkalische Wasser im Verlegemörtel fördert, dass dieses Eisen rostet. Fein verteiltes Eisen ist stärker betroffen als grobe Körner, weil es mehr Angriffsfläche bietet. Greifen Sie dann nicht zu einem sauren Rostumwandler. Er ätzt die Oberfläche des Marmors an, und zum Fleck kommt eine raue Stelle.
So beugt der Betrieb Verfärbungen im Naturstein vor
Gegen Verfärbungen gibt es mehrere Mittel, und ein guter Betrieb kombiniert sie. Die meisten zielen darauf, weniger Wasser in den Boden zu bringen oder es schneller zu binden.
Probe mit dem geplanten Mörtel
Kennt der Betrieb die Sorte nicht, legt er vorher eine Probe mit Kleber und Stein. Die Fachregeln verlangen das in diesem Fall.
Kleber für Naturstein
Der Betrieb nimmt nur Kleber, die der Hersteller für Naturstein freigibt. Schnell abbindende Naturstein-Mörtel halten die Platten kürzer feucht.
Trasszement im Mörtel
Trasszement senkt den Anteil an freiem Kalk im Mörtel und damit die Verfärbungen. Ganz ausschließen kann er sie nicht.
Rückseite der Platten sperren
Ein Anstrich auf der Rückseite bremst das Wasser, das durch die Platte nach oben zieht. Das ist ein zusätzlicher Arbeitsschritt.
Dünnes Kleberbett
Ein Dünnbett aus 2 bis 5 Millimetern bringt viel weniger Wasser in den Boden als ein dickes Mörtelbett.
Fugen erst nach dem Trocknen
Die Fugen bleiben möglichst 14 Tage offen. In dieser Zeit darf niemand über den Boden laufen.
Auch die Fuge selbst kann den Stein verfärben. Dringen Teile der Fugenmasse in den Stein ein, entstehen dunkle Ränder entlang der Fugen. Je poröser der Stein, desto größer ist das Risiko. Ein Fugenmörtel für Naturstein sollte deshalb schnell erhärten, Trass enthalten und möglichst auf weißem Zement beruhen.
Wann eine Verfärbung im Naturstein ein Fall für den Betrieb ist
Ob eine Verfärbung ein Mangel ist, hängt vom Einzelfall ab. Ein Hinweis darauf ist, ob der Betrieb die vorbeugenden Schritte gemacht hat. Als Fehler beim Verarbeiten nennt Grunenberg zu frühes Verfugen und zu nassen Mörtel im dicken Bett. Dann kann sich der Stein auch mit Trasszement verfärben. Fehlt bei einer unbekannten Sorte die Probe, die die Fachregeln verlangen, sprechen Sie das an.
Für Mängel an einem neu verlegten Boden in einem Gebäude haben Sie in der Regel 5 Jahre ab der Abnahme Zeit. Bei kleinen Arbeiten ohne Bedeutung für das Gebäude können es 2 Jahre sein. Die Abnahme ist der Moment, in dem Sie die Arbeit als im Wesentlichen fertig annehmen. Wie Sie einen Mangel richtig melden, steht im Ratgeber zu Mängeln an Fliesenarbeiten.
Was Sie bei verfärbtem Naturstein tun
Greifen Sie bei frischen Flecken nicht sofort zu Chemie. Ein falsches Mittel kann den Schaden vergrößern, vor allem eine Säure auf kalkhaltigem Stein.
- Suchen Sie die Quelle des Wassers, etwa eine undichte Stelle oder einen Wasserschaden, und lassen Sie sie beheben.
- Nehmen Sie keine Rostumwandler und keine Mittel gegen Zementschleier auf Marmor oder Kalkstein.
- Dunkle Ränder an den Fugen lassen sich mit der normalen Reinigung nach dem Bau nicht entfernen. Dafür braucht es eine Spezialreinigung.
- Fotografieren Sie die Flecken mit Datum und melden Sie sie dem Betrieb schriftlich.
- Holen Sie bei großen oder bleibenden Flecken einen Sachverständigen für Naturstein.
Manche Verfärbungen bleiben für immer. Grunenberg beschreibt einen Boden aus Kashmir White in einem Geschäftshaus. Nach einem Wasserschaden blieben dunkle Flecken sechs Monate lang unverändert, weder Trocknen noch Schleifen half. Salze aus dem Boden hatten sich im Stein abgelagert, und die Platten mussten raus.
Draußen kann dasselbe passieren. Kein Terrassenbelag aus Naturstein ist wasserdicht. Regen dringt ein, trocknet wieder ab und laugt den Mörtel nach und nach aus, vor allem auf Flächen nach Südwesten, die viel Wetter abbekommen. Wer Naturstein verlegen lässt, fragt deshalb schon vor dem Auftrag nach Kleber, Probe und Fugentermin.
Häufige Fragen
Verschwinden Verfärbungen im Naturstein von selbst?
Nein, auf das Verschwinden von Verfärbungen im Naturstein ist kein Verlass. In einem dokumentierten Fall waren Wasserflecken nach sechs Monaten unverändert, weder Trocknen noch Schleifen half. Dunkle Ränder an den Fugen gehen mit der normalen Reinigung nach dem Bau nicht weg.
Ist eine Verfärbung im Naturstein ein Mangel?
Eine Verfärbung im Naturstein kann ein Mangel sein, Farbunterschiede zwischen den Platten sind es dagegen nicht. Unterschiede in Farbe und Maserung aus demselben Steinbruch sind ausdrücklich erlaubt. Bei Verfärbungen nach dem Verlegen zählt, ob der Betrieb vorgebeugt hat, etwa mit freigegebenem Kleber und spätem Verfugen.
Wie entferne ich Rostflecken aus Marmor?
Rostflecken im Marmor behandeln Sie nicht mit einem sauren Rostumwandler, denn die Säure ätzt die Oberfläche an. Die Flecken kommen meist von Eisen im Stein selbst. Lassen Sie einen Fachbetrieb für Naturstein ein passendes Verfahren wählen.
Wie lange müssen die Fugen bei Naturstein offen bleiben?
Bei Naturstein bleiben die Fugen möglichst 14 Tage offen. So trocknet der Mörtel unter den Platten aus, bevor die Fuge ihn einschließt. In dieser Zeit darf niemand über den Boden laufen.
Wie lange kann ich eine Verfärbung im Naturstein reklamieren?
Eine Verfärbung im neu verlegten Natursteinboden eines Gebäudes können Sie in der Regel 5 Jahre ab der Abnahme reklamieren. Bei kleinen Arbeiten ohne Bedeutung für das Gebäude können es 2 Jahre sein. Melden Sie den Mangel schriftlich und mit Fotos.
