Was ein Balkon gegen Regen und Frost braucht
Auf dem Balkon muss Regenwasser schnell ablaufen und darf nicht unter den Belag gelangen. Das ist dieselbe Aufgabe wie in der Dusche. Draußen kommt aber der Frost dazu. Wasser in Fliese, Fuge oder Kleber dehnt sich beim Gefrieren aus und sprengt das Material Stück für Stück.
Ein Balkon erlebt starke Wechsel. Ein Ratgeber für Heimwerker nennt Unterschiede von bis zu 80 Grad, von plus 60 Grad auf heißen Fliesen im Sommer bis minus 20 Grad im Winter. Diese Wechsel halten nur Belag, Kleber und Abdichtung aus, die dafür gemacht sind.
Drei Dinge entscheiden deshalb, wie lange ein Balkonbelag hält. Das Gefälle führt das Wasser ab. Die Abdichtung hält die Feuchtigkeit, die trotzdem durch Fugen dringt, von der Balkonplatte fern. Und Fliese, Kleber und Fuge müssen den Frost aushalten.
Warum das Gefälle unter die Abdichtung gehört
Die Norm für die Abdichtung von Balkonen empfiehlt ein Gefälle von mindestens 1,5 Prozent. Das sind 1,5 Zentimeter auf einen Meter. Das Gefälle soll schon in der Schicht unter der Abdichtung liegen, also in der Betonplatte oder in einem Estrich mit Gefälle.
Ein häufiger Fehler: Das Gefälle entsteht erst im Fliesenkleber über der Abdichtung. Von oben sieht die Fläche dann richtig aus. Auf der Abdichtung aber steht das Wasser, das durch die Fugen sickert, und findet jede kleine Schwachstelle.
Die Abdichtung muss außerdem an der Hauswand und an der Balkontür ein Stück hochgeführt werden. Sonst läuft Wasser seitlich hinter sie. Am freien Rand führt ein Randprofil das Wasser sauber nach außen ab.
Welche Fliesen auf dem Balkon den Frost überstehen
Ob eine Fliese draußen hält, hängt vor allem davon ab, wie viel Wasser sie aufnimmt. Der Bundesverband Keramische Fliesen, der Verband der deutschen Fliesenhersteller, nennt dafür klare Werte.
Steingut, die klassische Wandfliese für innen, nimmt über 10 Prozent Wasser auf und gehört nicht nach draußen. Spaltplatten nehmen 0,5 bis 3 Prozent auf und eignen sich gut. Feinsteinzeug nimmt höchstens 0,5 Prozent auf und ist draußen ebenfalls gut geeignet.
| Fliese | Wasseraufnahme | Für den Balkon |
|---|---|---|
| Steingut | über 10 Prozent | nicht geeignet |
| Spaltplatte | 0,5 bis 3 Prozent | gut geeignet |
| Feinsteinzeug | höchstens 0,5 Prozent | gut geeignet |
Frostbeständig darf ein Hersteller eine Fliese nur nennen, wenn sie eine strenge Prüfung besteht. Dabei wird die Fliese mit Wasser vollgesogen und 100 Mal zwischen plus 5 und minus 5 Grad eingefroren und aufgetaut. Nur wenn sie danach unbeschädigt ist, gilt sie als frostbeständig.
Verlangen Sie deshalb für jede Fliese das Datenblatt mit der Wasseraufnahme in Prozent und dem Hinweis auf die Frostprüfung. Ein Aufdruck wie "für außen" auf dem Karton ersetzt diese Angaben nicht.
Kleber und Fuge für den Balkon
Feinsteinzeug ist auf der Rückseite sehr dicht. Daran haftet nicht jeder Kleber. Der Fliesenverband nennt für Terrassenfliesen aus Feinsteinzeug zum Beispiel Kleber aus zwei Komponenten, mit denen sie dauerhaft halten.
Genauso wichtig ist, dass unter den Fliesen keine Hohlräume bleiben. Der Kleber muss die Fliese vollflächig tragen. In Hohlräumen sammelt sich Wasser, und wenn es gefriert, löst sich die Fliese. Löst sich ein Belag vom Untergrund, liegt das laut Fliesenverband oft an einem ungeeigneten oder falsch verarbeiteten Kleber.
Fragen Sie den Betrieb, welchen Kleber und welchen Fugenmörtel er draußen verwendet und ob beide laut Hersteller für Balkone gedacht sind. Lassen Sie sich beides ins Angebot schreiben.
Balkonplatten lose auf Stelzlagern verlegen
Statt die Fliesen festzukleben, kann der Betrieb dicke Platten lose verlegen. Sie liegen auf Stelzlagern, kleinen Kunststofffüßen unter den Ecken, auf Splitt oder auf Mörtelsäckchen. Die Fugen bleiben dabei offen.
Das Regenwasser läuft durch die offenen Fugen auf die Abdichtung darunter und dort ab. Der Belag selbst kann deshalb waagerecht liegen. Die Abdichtung darunter braucht aber weiterhin Gefälle, damit das Wasser abfließt. Stelzlager lassen sich millimetergenau in der Höhe einstellen.
Lose Platten sehen anders aus als ein geklebter Belag, weil die Fugen offen bleiben. Dafür lassen sie sich für Reparaturen einzeln anheben. Ob das für Ihren Balkon passt, klärt der Betrieb bei der Besichtigung.
In dieser Reihenfolge entsteht der Balkonbelag
Gefälle herstellen
Betonplatte oder Gefälleestrich bekommen mindestens 1,5 Prozent Gefälle zur Rinne oder zum freien Rand.
Abdichten
Die Abdichtung kommt auf den geneigten Untergrund und wird an Wand und Tür hochgeführt.
Fliesen verlegen
Frostbeständige Fliesen werden vollflächig in einen Kleber für draußen gelegt, ohne Hohlräume.
Verfugen und Rand
Fugenmörtel für draußen und ein Randprofil schließen die Fläche ab.
Wasser testen
Vor der Abnahme gießen Sie Wasser auf die Fläche und sehen nach, ob es überall abläuft.
Diese Reihenfolge gilt für einen geklebten Belag. Wie Sie die Angebote mehrerer Handwerker vergleichen und wer wann arbeitet, erklärt der Ratgeber zur Badsanierung mit Angebot und Reihenfolge. Für den Balkon gilt dasselbe Vorgehen.
Was Sie vor dem Auftrag für den Balkon klären
Viele alte Balkone haben schon Schäden, bevor der Fliesenleger kommt. Dringt jahrelang Feuchtigkeit ein, können Risse und weiße Salzflecken entstehen, im schlimmsten Fall leidet der Beton selbst. Dann muss die Balkonplatte saniert werden, bevor neue Fliesen draufkommen.
- Lassen Sie den Zustand der Balkonplatte und der alten Abdichtung vor dem Angebot ansehen.
- Fragen Sie nach dem Gefälle in Prozent und ob es unter der Abdichtung liegt.
- Verlangen Sie für die Fliesen das Datenblatt mit Wasseraufnahme und Frostprüfung.
- Fragen Sie, welcher Kleber und welcher Fugenmörtel für draußen vorgesehen sind.
- Machen Sie vor der Abnahme die Wasserprobe und sehen Sie selbst, wohin das Wasser läuft.
Liegt schon ein alter Belag auf dem Balkon, stellt sich die Frage, ob er bleiben kann. Neue Fliesen auf alte kommen nur in Frage, wenn der alte Belag fest sitzt und Gefälle und Abdichtung darunter stimmen. Wann das geht, erklärt der Ratgeber Fliesen auf Fliesen verlegen oder abschlagen.
Häufige Fragen
Wie viel Gefälle braucht ein gefliester Balkon?
Ein gefliester Balkon braucht ein Gefälle von mindestens 1,5 Prozent, also 1,5 Zentimeter auf einen Meter. So empfiehlt es die Norm für Balkonabdichtungen. Das Gefälle soll schon unter der Abdichtung liegen, nicht erst im Fliesenkleber.
Welche Fliesen sind für den Balkon frostbeständig?
Frostbeständig sind Fliesen, die 100 Frost-Tau-Wechsel ohne Schaden überstehen. Feinsteinzeug mit höchstens 0,5 Prozent Wasseraufnahme und Spaltplatten mit 0,5 bis 3 Prozent eignen sich gut. Steingut-Wandfliesen nehmen über 10 Prozent Wasser auf und gehören nicht nach draußen.
Warum lösen sich die Fliesen auf meinem Balkon?
Meist sammelt sich Wasser unter den Fliesen und sprengt sie beim Gefrieren ab. Häufige Ursachen sind Hohlräume im Kleberbett, ein Kleber, der nicht für draußen geeignet ist, oder ein Gefälle, das erst über der Abdichtung liegt. Ein Sachverständiger kann klären, welche Ursache bei Ihnen zutrifft.
Muss die Balkonabdichtung an der Hauswand hochgeführt werden?
Ja, die Abdichtung muss an Hauswand und Balkontür ein Stück hochgeführt werden. Sonst läuft Wasser seitlich hinter die Abdichtung, auch wenn die Fläche selbst dicht ist. Am freien Rand leitet ein Randprofil das Wasser nach außen ab.
Kann man Balkonplatten ohne Kleber verlegen?
Ja, dicke Platten können lose auf Stelzlagern, Splitt oder Mörtelsäckchen liegen. Die Fugen bleiben offen, und das Wasser läuft auf der Abdichtung darunter ab. Die Abdichtung braucht dafür weiterhin Gefälle.
Wie lange haftet der Fliesenleger für Frostschäden am Balkon?
Für Fliesenarbeiten an einem Gebäude können Sie Mängel nach dem Gesetz in der Regel 5 Jahre ab der Abnahme melden. Der Betrieb muss nachbessern, wenn der Schaden auf seine Arbeit zurückgeht, etwa auf falsches Gefälle oder einen ungeeigneten Kleber. Lassen Sie sich im Streitfall von der Verbraucherzentrale oder einem Anwalt für Baurecht beraten.
