Wann Fliesen auf Fliesen verlegt werden dürfen
Ob neue Fliesen auf die alten passen, entscheidet der Zustand des alten Belags. Er muss überall fest am Untergrund haften, sauber und trocken sein. Lose oder gesprungene Fliesen sind ein schlechter Untergrund, und die neue Lage löst sich mit ihnen.
Der Fliesenleger prüft das mit einer einfachen Probe. Er streicht mit dem Stiel eines Hammers über die Fliesen und hört hin. Ein heller Ton heißt, die Fliese sitzt fest. Ein dumpfer, hohler Ton heißt, darunter hat sich der Kleber gelöst.
- Einzelne hohle Fliesen nimmt der Betrieb heraus und füllt die Stelle mit Mörtel auf. Danach kann er darüber verlegen.
- Klingen größere Flächen hohl, trägt der alte Belag die neue Lage nicht. Dann müssen die alten Fliesen herunter.
- Fett, Kalk und Seifenreste muss der Betrieb vorher gründlich entfernen. Sonst hält der neue Kleber schlecht.
- Auf glatte alte Fliesen kommt vor dem Kleben ein Haftgrund. Er macht die Oberfläche griffig.
Was die neue Fliesenlage an Türen und Anschlüssen ändert
Jede neue Lage aus Kleber und Fliese macht den Boden höher und die Wand dicker. Genau daran scheitert ein Plan zum Überfliesen oft, nicht an der Haftung.
- Türen: Wird der Boden höher, schleift die Tür. Oft muss das Türblatt gekürzt werden.
- Übergänge: Zum Flur oder Nachbarraum entsteht eine kleine Stufe. Ein Übergangsprofil gleicht sie aus.
- Waschbecken, WC und Armaturen: Der Installateur muss sie ab- und danach wieder anbauen.
- Gewicht: Die neue Lage hängt mit ihrem ganzen Gewicht am alten Belag. An der Wand muss der alte Belag deshalb besonders fest sitzen.
Fliesen auf Fliesen in Dusche und Bad
Alte Fliesen sind keine Abdichtung. Wasser dringt durch Fugen und feine Risse, und darunter merkt es niemand. In der Dusche und überall, wo Wasser auf den Boden oder an die Wand spritzt, braucht es deshalb eine Abdichtung direkt unter den neuen Fliesen. Das gilt auch, wenn auf alte Fliesen verlegt wird.
Der Fliesenleger trägt die Abdichtung auf den vorbereiteten alten Belag auf und klebt darauf die neuen Fliesen. Wie diese Schicht aussieht und welche Stufe Ihre Dusche braucht, erklärt der Ratgeber zur Abdichtung der Dusche. Fragen Sie im Angebot nach, ob die Abdichtung enthalten ist. Fehlt sie, ist das Angebot für ein Bad nicht vollständig.
Warum das Baujahr vor dem Abschlagen zählt
Wer alte Fliesen abschlagen lässt, greift in den alten Kleber und die Spachtelmasse darunter ein. Genau darin kann Asbest stecken. Seit 1993 ist Asbest in Deutschland verboten. In älteren Häusern ist es oft noch da, meist in kleiner Menge, aber beim Abschlagen und Schleifen werden viele Fasern frei.
Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft, die Unfallversicherung der Bauhandwerker, gibt deshalb eine klare Grenze vor. Wurde mit dem Bau vor dem 31. Oktober 1993 begonnen, muss der Betrieb Asbest im Kleber vermuten. Das gilt so lange, bis Unterlagen oder eine Laborprobe das Gegenteil zeigen.
Bei Häusern mit Baujahr zwischen 1993 und 1996 reicht das Jahr allein nicht. In dieser Zeit wurde noch Material mit und schon Material ohne Asbest verbaut. Sie müssen dem Betrieb dann das Datum des Baubeginns nennen, wenn Sie es kennen.
Wer alte Fliesen bei Asbestverdacht abschlagen darf
Besteht Verdacht auf Asbest, darf nur ein Betrieb abschlagen, der dafür ausgebildet und ausgerüstet ist. Die verantwortliche Person braucht einen anerkannten Lehrgang zum Umgang mit Asbest, die Mitarbeiter eine Schulung. Das kann Ihr Fliesenleger selbst sein, wenn er diese Ausbildung nachweist. Sonst übernimmt ein Fachbetrieb für Schadstoffsanierung das Abschlagen, und der Fliesenleger verlegt danach neu.
Der Betrieb muss die Arbeiten spätestens eine Woche vor Beginn bei der Behörde und der Berufsgenossenschaft anmelden. Er trennt den Raum staubdicht ab und entsorgt den Schutt gesondert.
Wurde mit dem Bau vor dem 31. Oktober 1993 begonnen?
Belegen Unterlagen oder eine Laborprobe, dass der Kleber kein Asbest enthält?
Dann kann der Fliesenleger abschlagen wie sonst auch.
Asbest muss vermutet werden. Abschlagen darf nur ein Betrieb mit Asbest-Ausbildung, oder Sie lassen vorher eine Probe nehmen.
Dann muss der Betrieb kein Asbest vermuten. Bei Baujahr 1993 bis 1996 braucht er dafür das genaue Datum des Baubeginns.
Schlagen Sie verdächtige Fliesen nicht selbst ab. Die Regeln zum Schutz vor Asbestfasern gelten ausdrücklich auch für private Haushalte. Wer selbst arbeitet, muss die Fasern so weit wie möglich zurückhalten, und das gelingt ohne Ausrüstung kaum.
Überfliesen, wenn im alten Kleber Asbest sein kann
Beim Überfliesen bleibt der alte Kleber, wo er ist. Die Berufsgenossenschaft schreibt, dass das Verbot, Asbest abzudecken, für Fliesenkleber, Putz und Spachtelmasse nicht gilt. Für Bodenbeläge, die selbst Asbest enthalten, gilt es dagegen.
Ganz ohne Eingriff geht es aber selten. Hohle Fliesen muss der Betrieb vorher herausnehmen, und dabei berührt er den alten Kleber. Auch Bohrlöcher für neue Armaturen gehen durch ihn hindurch. Sprechen Sie das vor dem Auftrag an, damit der Betrieb seine Schutzmaßnahmen plant.
Heben Sie die Unterlagen auf, die zeigen, dass unter den neuen Fliesen alter Kleber aus der Zeit vor 1993 liegt. Wer das Bad in zwanzig Jahren saniert, weiß dann Bescheid.
Was Sie vorher klären und ins Angebot schreiben lassen
Auch Sie selbst haben eine Pflicht. Die Vorschriften zum Schutz vor Gefahrstoffen verlangen, dass Sie dem Betrieb vor Beginn alles mitteilen, was Sie über Schadstoffe im Haus wissen, schriftlich oder per E-Mail. Dazu gehört das Baujahr. Ist nicht klar, ob Asbest vorhanden ist, muss der Betrieb weiter nachforschen, und diese Untersuchung kostet extra.
- Nennen Sie dem Betrieb das Baujahr Ihres Hauses schriftlich, bei 1993 bis 1996 das Datum des Baubeginns.
- Suchen Sie Rechnungen oder Pläne früherer Umbauten heraus. Sie zeigen, ob das Bad nach 1993 schon einmal neu gemacht wurde.
- Lassen Sie den alten Belag abklopfen und hohle Stellen markieren.
- Lassen Sie an Türen und Übergängen die freie Höhe messen.
- Lassen Sie sich Überfliesen und Abschlagen als zwei Angebote geben, jeweils mit Abdichtung und mit möglicher Laborprobe als eigener Zeile.
Abschlagen kostet den Abbruch, die Entsorgung und oft einen Container. Überfliesen spart das, bringt aber Arbeit an Türen und Anschlüssen. Welche Variante günstiger ist, zeigt erst der Vergleich beider Angebote. Wie die übrigen Arbeiten im Bad zusammenpassen, steht im Ratgeber zur Badsanierung mit Angebot und Reihenfolge.
Häufige Fragen
Darf man neue Fliesen einfach auf alte Fliesen kleben?
Ja, wenn die alten Fliesen überall fest sitzen, sauber sind und an Türen genug Höhe bleibt. Der Fliesenleger prüft das, indem er die Fliesen abklopft. Klingen größere Flächen hohl, müssen die alten Fliesen vorher herunter.
Brauche ich in der Dusche eine neue Abdichtung, wenn auf alte Fliesen verlegt wird?
Ja, auch beim Überfliesen braucht die Dusche eine Abdichtung direkt unter den neuen Fliesen. Alte Fliesen sind keine Abdichtung, weil Wasser durch Fugen und Risse dringt. Lassen Sie die Abdichtung als eigene Zeile ins Angebot schreiben.
Ab welchem Baujahr kann Asbest im alten Fliesenkleber sein?
Asbest muss vermutet werden, wenn mit dem Bau vor dem 31. Oktober 1993 begonnen wurde. Bei Häusern aus den Jahren 1993 bis 1996 nennen Sie dem Betrieb das genaue Datum des Baubeginns. Sicherheit bringt nur eine Laborprobe des Klebers.
Darf mein Fliesenleger alte Fliesen mit Asbestverdacht abschlagen?
Nur, wenn er für Arbeiten mit Asbest ausgebildet und ausgerüstet ist. Er braucht einen anerkannten Lehrgang und muss die Arbeiten spätestens eine Woche vorher bei der Behörde anmelden. Sonst übernimmt ein Fachbetrieb für Schadstoffsanierung das Abschlagen.
Was kostet eine Laborprobe auf Asbest im Fliesenkleber?
Eine Laborprobe kostet nach Angaben eines Sanierungsbetriebs rund 80 bis 200 Euro je Probe. Besondere Verfahren für sehr geringe Asbestmengen können mehr kosten. Die Probe selbst sollte ein Fachbetrieb entnehmen, damit dabei keine Fasern frei werden.
Ist Überfliesen günstiger als alte Fliesen abschlagen?
Oft ja, weil Abbruch, Entsorgung und Container wegfallen. Die Ersparnis schrumpft, wenn Türen gekürzt und Anschlüsse versetzt werden müssen. Lassen Sie sich beide Varianten anbieten und vergleichen Sie die Endsummen.
