Seit 2020 brauchen Fliesenleger wieder einen Meister
Wer auf eigene Rechnung Fliesen legt, muss seit dem 14. Februar 2020 in der Handwerksrolle stehen. Die Handwerksrolle ist das Verzeichnis, das jede Handwerkskammer über die Betriebe in ihrem Bezirk führt. Eingetragen wird nur, wer die nötige Qualifikation nachweist, meist mit einer Meisterprüfung. Wer ohne Eintragung arbeitet, arbeitet ohne Erlaubnis.
Das war nicht immer so. Von 2004 bis 2020 durfte sich jeder ohne Meisterprüfung als Fliesenleger selbstständig machen. Seit dem 14. Februar 2020 gilt die Meisterpflicht wieder, zusammen mit elf anderen Handwerken, darunter Estrichleger, Parkettleger und Raumausstatter. Für Sie heißt das: Ein Betrieb, der nach diesem Tag gegründet wurde, hat der Handwerkskammer seine Qualifikation nachgewiesen.
Nicht jede Arbeit mit Fliesen braucht einen Fliesenleger. Kleine Nebenarbeiten, die sich in bis zu drei Monaten lernen lassen, darf auch ein anderer Handwerker machen, etwa ein Bodenleger, der eine Reihe Sockelfliesen setzt. Wer ein Bad abdichtet, Böden verlegt und verfugt, übt aber das Fliesenlegerhandwerk aus und braucht die Eintragung.
Fünf Wege in die Handwerksrolle
Es gibt fünf Wege, auf denen ein Fliesenlegerbetrieb in die Handwerksrolle kommt. Der häufigste ist der Meisterbrief. Eine Firma, deren Inhaber selbst keinen Meister hat, kann sich eintragen lassen, wenn ein Betriebsleiter mit Meister oder gleichwertigem Abschluss die Arbeit fachlich verantwortet.
| Weg | Voraussetzung | Was das über den Betrieb sagt |
|---|---|---|
| Meisterprüfung | bestandene Meisterprüfung als Fliesen-, Platten- und Mosaikleger oder in einem verwandten Handwerk | Praxis, Theorie, Betriebsführung und Ausbildung wurden geprüft |
| Ingenieur, Techniker, Fachschule | passender Abschluss einer Hochschule oder Fachschule | technisch ausgebildet, aber ohne Meisterprüfung im Fliesenlegen |
| Langjähriger Geselle | Gesellenprüfung und 6 Jahre im Beruf, davon 4 in leitender Stellung | lange Erfahrung mit Verantwortung, die Behörde hat sie anerkannt |
| Ausnahmebewilligung | Kenntnisse nachgewiesen, wenn die Meisterprüfung unzumutbar wäre | Einzelentscheidung der Behörde, keine Prüfung |
| Bestandsschutz | Betrieb bestand schon am 13. Februar 2020 | Erfahrung aus der Zeit vor 2020, aber kein geprüfter Nachweis |
Antrag bei der Handwerkskammer
Der Betrieb stellt den Antrag bei der Kammer, in deren Bezirk er seinen Sitz hat, und legt Meisterurkunde, Zeugnis oder Bewilligung vor.
Prüfung in höchstens drei Monaten
Die Kammer prüft die Unterlagen. Trägt sie einen vollständigen Antrag nicht innerhalb von drei Monaten ein, gilt der Betrieb als eingetragen.
Handwerkskarte
Mit der Eintragung stellt die Kammer die Handwerkskarte aus. Sie nennt Inhaber, Sitz, Handwerk, Datum und, falls es einen gibt, den Betriebsleiter.
Änderungen melden
Wechselt der Betriebsleiter oder kommt ein neuer Inhaber dazu, muss der Betrieb das der Kammer melden.
So prüfen Sie einen Fliesenleger bei der Handwerkskammer
Die Handwerksrolle führt die Handwerkskammer am Sitz des Betriebs. Eine Auskunft daraus bekommt jeder, der einen berechtigten Grund nennt, und ein geplanter Auftrag ist ein solcher Grund. Die Kammer nennt Name, Firma, Handwerk und Anschrift des Betriebs. Viele Kammern haben dafür eine Betriebssuche im Internet.
- Finden Sie die zuständige Kammer. Es zählt der Sitz des Betriebs, nicht Ihr Wohnort. Ein Betrieb aus Bonn steht bei der Handwerkskammer zu Köln.
- Suchen Sie den Betrieb in der Betriebssuche der Kammer oder fragen Sie dort nach. Nennen Sie den Namen so, wie er auf dem Angebot steht.
- Lesen Sie das Handwerk. Dort muss Fliesen-, Platten- und Mosaikleger stehen. Ein Eintrag als Bodenleger, Maler oder Raumausstatter reicht für Fliesenarbeiten nicht.
- Lassen Sie sich die Handwerkskarte zeigen. Ein seriöser Betrieb hat sie im Büro und zeigt sie gern.
- Steht ein Betriebsleiter auf der Karte, trägt diese Person die fachliche Verantwortung. Fragen Sie, ob sie Ihre Baustelle betreut.
- Ist Ihnen der Meistertitel wichtig, fragen Sie nach der Meisterurkunde. Die Eintragung allein belegt ihn nicht.
Was Bestandsschutz für Fliesenleger ohne Meister bedeutet
Als die Meisterpflicht 2020 zurückkam, gab es Zehntausende Fliesenleger, die seit 2004 ohne Meisterprüfung gegründet hatten. Sie durften weitermachen. Wer am 13. Februar 2020 einen Fliesenlegerbetrieb führte, wurde ohne Meisterprüfung in die Handwerksrolle übernommen. Diese Betriebe arbeiten also legal und stehen im selben Verzeichnis wie Meisterbetriebe.
Der Bestandsschutz hängt am Betrieb in seiner damaligen Form. Steigt ein Gesellschafter aus, bleibt der Betrieb eingetragen. Kommt ein neuer Inhaber oder Gesellschafter dazu, muss der Betrieb innerhalb von 6 Monaten einen Meister oder einen gleichwertigen Nachweis vorlegen, sonst löscht die Kammer die Eintragung. Bei einem Einzelunternehmen endet der Schutz nach Auskunft der Handwerkskammer Bremen mit dem Wechsel des Inhabers.
Für Sie heißt das: Ein Betrieb, der seit 2019 unter demselben Inhaber arbeitet, ist auch ohne Meister richtig eingetragen. Ein Betrieb, der 2023 den Inhaber gewechselt hat, musste seine Qualifikation neu belegen.
Steht der Betrieb als Fliesenleger in der Handwerksrolle?
Gab es ihn schon vor dem 14. Februar 2020 mit demselben Inhaber?
Ja, er arbeitet mit Bestandsschutz. Ein Meisterbrief ist keine Bedingung, fragen Sie nach der Erfahrung des Betriebsleiters.
Ja, er hat seine Qualifikation nachgewiesen. Die Handwerkskarte nennt Betriebsleiter und Datum.
Geht es nur um eine kleine Nebenarbeit, etwa ein paar Sockelfliesen?
Das ist möglich. Für ein ganzes Bad mit Abdichtung reicht es aber nicht.
Nein, der Betrieb arbeitet ohne Erlaubnis. Beauftragen Sie ihn nicht.
Warum die Eintragung für Sie zählt
Ein Fliesenleger ohne Eintragung handelt ordnungswidrig, das kann ihn bis zu 10.000 Euro kosten. Geht es um größere Arbeiten, sind bis zu 50.000 Euro möglich, und dieselbe Regel kann auch Sie treffen. Das ist der Fall, wenn Sie größere Arbeiten an jemanden vergeben, von dem Sie wussten oder leicht hätten erfahren können, dass er nicht eingetragen ist. Eine Badsanierung für mehrere tausend Euro gilt als größere Arbeit.
- Mängel: Für Fehler an einem neu gefliesten Bad haben Sie 5 Jahre Zeit. Das nützt nur, wenn der Betrieb dann noch erreichbar ist. Ein eingetragener Betrieb ist bei der Kammer mit Anschrift bekannt.
- Verantwortung: Bei einer Firma steht ein qualifizierter Betriebsleiter für die Arbeit ein. Sie können nach dem Namen fragen und ihn mit der Handwerkskarte vergleichen.
- Steuer: 20 Prozent der Arbeitskosten bekommen Sie nur mit Rechnung und Überweisung zurück. Ein Betrieb ohne Eintragung stellt selten eine ordentliche Rechnung.
- Ausbildung: Lehrlinge darf nur ein eingetragener Betrieb mit Ausbildungsberechtigung ausbilden. Wer Auszubildende hat, hat das nachgewiesen.
Warum es immer weniger Fliesenleger gibt
Ende 2025 standen in Deutschland 48.857 Fliesenlegerbetriebe in den Handwerksrollen. Ein Jahr zuvor waren es noch 52.316. Im Jahr 2025 kamen 733 Betriebe dazu, 4.192 wurden gelöscht, unter dem Strich 3.459 weniger oder 6,6 Prozent. Kein anderes Handwerk mit Meisterpflicht hat 2025 so viele Betriebe verloren. Das zeigt die Statistik des Zentralverbands des Deutschen Handwerks.
Warum ein Betrieb gelöscht wurde, nennt die Statistik nicht. Mögliche Gründe sind ein Inhaberwechsel ohne Meister, die Rente des Inhabers oder das Aus für einen kleinen Ein-Personen-Betrieb. Für Sie zählt die Folge: In vielen Orten gibt es weniger Fliesenleger als vor fünf Jahren, und die Wartezeit wird länger. Fragen Sie früh an und holen Sie Angebote aus der Umgebung ein. Wie Sie dabei vorgehen, erklärt der Ratgeber zum Fliesenleger beauftragen.
Häufige Fragen
Braucht ein Fliesenleger einen Meisterbrief?
Ein Fliesenlegerbetrieb braucht seit dem 14. Februar 2020 die Eintragung in die Handwerksrolle, und der Meisterbrief ist der häufigste Weg dorthin. Es gibt aber auch andere Wege. Dazu zählen ein passender Ingenieurabschluss, 6 Jahre Erfahrung als Geselle mit 4 Jahren in leitender Stellung und eine Ausnahmebewilligung. Auch Betriebe, die es schon vor 2020 gab, dürfen weiterarbeiten.
Wie prüfe ich, ob ein Fliesenleger in der Handwerksrolle steht?
Ob ein Fliesenleger in der Handwerksrolle steht, erfahren Sie bei der Handwerkskammer am Sitz des Betriebs. Ein geplanter Auftrag reicht als Grund für die Auskunft, und viele Kammern haben eine Betriebssuche im Internet. Zusätzlich können Sie sich die Handwerkskarte zeigen lassen, die Sitz, Handwerk und Datum der Eintragung nennt.
Darf ein Fliesenleger ohne Meister arbeiten, wenn es ihn schon vor 2020 gab?
Ja, ein Fliesenlegerbetrieb, der am 13. Februar 2020 schon bestand, wurde ohne Meisterprüfung in die Handwerksrolle übernommen und arbeitet legal weiter. Kommt ein neuer Inhaber oder Gesellschafter dazu, muss der Betrieb innerhalb von 6 Monaten einen Meister nachweisen. Bei einem Einzelunternehmen endet der Schutz mit dem Wechsel des Inhabers.
Was droht einem Fliesenleger, der ohne Eintragung arbeitet?
Einem Fliesenleger ohne Eintragung in die Handwerksrolle droht ein Bußgeld bis 10.000 Euro, bei größeren Aufträgen bis 50.000 Euro. Auch wer ihn beauftragt, kann ein Bußgeld bekommen, wenn er wusste oder leicht hätte erfahren können, dass der Betrieb nicht eingetragen ist.
Ist ein Innungsbetrieb dasselbe wie ein Meisterbetrieb?
Nein, ein Innungsbetrieb ist ein Fliesenleger, der freiwillig der Innung seiner Region beigetreten ist. Die Mitgliedschaft ist keine Erlaubnis und kein Beleg für einen Meister. Die Erlaubnis zeigt die Eintragung bei der Handwerkskammer, den Meistertitel die Meisterurkunde.
Wie viele Fliesenlegerbetriebe gibt es in Deutschland?
Ende 2025 standen in Deutschland 48.857 Fliesenlegerbetriebe in den Handwerksrollen, so die Statistik des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Im Jahr 2025 sank die Zahl um 3.459 Betriebe oder 6,6 Prozent.
