Naturstein ist ein Unikat, Feinsteinzeug ein Industrieprodukt
Naturstein lässt sich nicht aussuchen wie eine Fliese aus dem Werk. Farbe und Maserung schwanken schon innerhalb eines Steinbruchs, und diese Unterschiede sind bei Naturstein ausdrücklich erlaubt. Eine einzelne Musterplatte zeigt deshalb nur die Richtung. Feinsteinzeug dagegen ist eine keramische Fliese, die besonders dicht gebrannt wird. Feinsteinzeug in Steinoptik ahmt mit seiner Oberfläche einen Stein nach.
Für Sie heißt das: Bei Naturstein sehen Sie die fertige Fläche erst, wenn die Lieferung da ist. Wer eine bestimmte Optik will, muss sie vorher schriftlich vereinbaren. Bei Feinsteinzeug prüft der Hersteller Maße und Farbabweichungen nach festen Regeln, die Fläche wird deshalb gleichmäßiger. Wie Sie für echten Stein den passenden Betrieb finden, steht im Ratgeber dazu, wer Naturstein verlegt.
Wie viel Wasser Naturstein und Feinsteinzeug aufnehmen
Keramische Fliesen werden danach eingeteilt, wie viel Wasser sie aufnehmen. Gemessen wird, wie viel schwerer eine Fliese wird, wenn sie sich mit Wasser vollsaugt. Feinsteinzeug liegt mit unter 0,5 Prozent in der dichtesten Gruppe. Steinzeug darf bis 3 Prozent aufnehmen. Draußen dürfen nur keramische Fliesen mit höchstens 3 Prozent Wasseraufnahme liegen.
Bei Naturstein misst man stattdessen, wie viel Raum die Poren im Stein einnehmen. Poröse Natursteine lassen Wasser durch. Wischwasser kann durch solche Steine und durch Risse in den Fugen nach unten ziehen. Dort kann es Verfärbungen und weiße Salzränder auslösen. Deshalb soll Naturstein mit so wenig Wasser wie möglich gewischt werden.
Abrieb wird bei Naturstein anders gemessen
Wie gut ein Boden das Laufen aushält, prüfen Labore bei beiden Materialien unterschiedlich. Bei Naturstein schleift eine Scheibe über eine Probe von 50 Quadratzentimetern. Gemessen wird, wie viel Stein dabei verloren geht. Je nach Sorte sind das 4 bis 60 Kubikzentimeter, und je kleiner der Wert, desto widerstandsfähiger ist der Stein.
Für stark begangene Böden in öffentlichen Bereichen rät der Deutsche Naturwerkstein-Verband zu Steinen unter 25 Kubikzentimetern. Der Verband ist ein Fachverband für Naturstein. Er betont auch, dass Reinigung und Pflege den Verschleiß stark beeinflussen.
Bei glasierten Fliesen prüft der Hersteller die Glasur mit Stahlkugeln und Schleifmittel. Das Ergebnis ist eine Klasse von 0 bis 5, und je höher die Klasse, desto mehr hält die Glasur aus. Unglasiertes Feinsteinzeug hat keine Glasur und wird mit einem eigenen Test auf Verschleiß geprüft.
Im Vergleich verliert Naturstein im Schleiftest je nach Sorte 4 bis 60 Kubikzentimeter. Glasuren auf Fliesen erreichen Klasse 0 bis 5, und Feinsteinzeug nimmt unter 0,5 Prozent seines Gewichts an Wasser auf.
| Eigenschaft | Naturstein | Feinsteinzeug |
|---|---|---|
| Herkunft | Steinbruch, jede Platte sieht anders aus | Werk, gleichmäßige Fläche |
| Wasseraufnahme | je nach Sorte, manche Sorten porös | unter 0,5 Prozent des Gewichts |
| Abrieb | Schleiftest, 4 bis 60 Kubikzentimeter Verlust | Glasur Klasse 0 bis 5, unglasiert eigener Test |
| Säure | greift Kalkstein und Marmor an | Säureklasse A bis C nach Laborprüfung |
| Farbunterschiede | ausdrücklich erlaubt | vom Hersteller begrenzt und geprüft |
Säure greift kalkhaltigen Naturstein an
Kalkstein und Marmor vertragen keine sauren Reiniger. Auch stark alkalische Mittel wie echte Schmierseife greifen ihre polierte Oberfläche an. Mittel gegen Zementschleier, also gegen Mörtelreste nach dem Verfugen, rauen Kalkstein und Marmor mit feiner Oberfläche auf. Bei jedem Stein greifen solche Mittel außerdem die Fuge aus Mörtel an.
Der Deutsche Naturwerkstein-Verband rät deshalb, Naturstein grundsätzlich nur mit klarem Wasser zu reinigen. Je feiner die Oberfläche, desto vorsichtiger sollten Sie mit allen anderen Mitteln sein.
Feinsteinzeug wird im Labor mit Säuren und Laugen geprüft. Das Ergebnis ist eine Klasse, und Klasse A ist am beständigsten. Wer im Bad oder in der Küche mit kräftigen Reinigern putzen will, schaut also beim Feinsteinzeug auf diese Klasse und fragt bei Naturstein nach der Sorte.
Naturstein braucht beim Verlegen mehr Arbeitsschritte
Für Naturstein schreiben die Fachregeln mehrere Schritte vor, die Zeit kosten. Der Kleber muss vom Hersteller ausdrücklich für Naturstein freigegeben sein. Kennt der Betrieb die Sorte nicht, gehört eine Probe dazu, damit sich nichts verfärbt. Ins dünne Kleberbett kommen nur Platten mit gleicher Dicke bis 60 Zentimeter Kantenlänge. Und die Fugen bleiben möglichst 14 Tage offen, bis der Kleber darunter trocken ist.
Diese Schritte stehen in einem guten Angebot einzeln drin. Fehlen sie, fragen Sie nach, bevor Sie zwei Angebote vergleichen.
Naturstein oder Feinsteinzeug für Ihren Raum
Ob Naturstein oder Feinsteinzeug besser passt, hängt davon ab, wie die Fläche aussehen soll, wie nass sie wird und wie Sie putzen wollen. Für Bad und Dusche gibt es eigene Regeln, die der Ratgeber zu Naturstein im Bad und in der Dusche erklärt.
Soll jede Platte etwas anders aussehen?
Dann passt Naturstein. Rechnen Sie mit Farbunterschieden, denn die sind bei Naturstein erlaubt.
Wird die Fläche oft nass oder liegt sie draußen?
Feinsteinzeug nimmt unter 0,5 Prozent Wasser auf und ist hier die einfache Wahl. Für Naturstein klären Sie vorher, ob die Sorte dafür geeignet ist.
Wollen Sie mit sauren Reinigern putzen?
Dann nehmen Sie Feinsteinzeug mit Säureklasse A. Kalkstein und Marmor vertragen keine Säure.
Beide passen. Entscheiden Sie nach Optik und Preis im Angebot.
Häufige Fragen
Wie viel Wasser nimmt Feinsteinzeug auf?
Feinsteinzeug nimmt unter 0,5 Prozent seines Gewichts an Wasser auf. Damit gehört es zur dichtesten Gruppe der keramischen Fliesen. Steinzeug darf bis 3 Prozent aufnehmen.
Ist Naturstein empfindlicher gegen Säure als Feinsteinzeug?
Bei Kalkstein und Marmor ja, saure Reiniger greifen ihre Oberfläche an. Feinsteinzeug wird dagegen im Labor auf Säuren geprüft, und das Ergebnis ist eine Klasse. Klasse A ist am beständigsten.
Darf Feinsteinzeug draußen verlegt werden?
Ja, Feinsteinzeug darf draußen verlegt werden. Draußen sind nur keramische Fliesen mit höchstens 3 Prozent Wasseraufnahme erlaubt. Feinsteinzeug liegt mit unter 0,5 Prozent weit darunter.
Sieht jede Natursteinplatte anders aus?
Ja, jede Natursteinplatte sieht etwas anders aus. Unterschiede in Farbe und Maserung sind bei Naturstein aus demselben Steinbruch ausdrücklich erlaubt. Eine Musterplatte zeigt nur die Richtung, nicht die ganze Lieferung.
Wie wird der Abrieb von Naturstein gemessen?
Den Abrieb von Naturstein misst eine Schleifscheibe auf einer Probe von 50 Quadratzentimetern. Je nach Sorte gehen dabei 4 bis 60 Kubikzentimeter Stein verloren. Je kleiner der Wert, desto widerstandsfähiger ist der Stein.
