Ab wann eine Fliese als Großformat gilt
Als Großformat gelten Fliesen mit 60 bis 120 Zentimetern Kantenlänge und mehr als einem Viertel Quadratmeter Fläche, lange Fliesen in Holzoptik bis 150 Zentimeter. Am Boden müssen sie mindestens 7,5 Millimeter dick sein. So steht es im Merkblatt der Sachverständigen für Fliesen und Naturstein, das die Fachverbände mittragen. Noch größere Platten heißen Megaformate und haben eigene Regeln.
Eine große Fliese hat weniger Fugen je Quadratmeter. Gerade die Fugen fangen aber Bewegungen des Bodens auf, etwa wenn der Estrich schrumpft oder sich bei Wärme ausdehnt. Beim Großformat müssen deshalb Boden, Kleber und Planung mehr leisten. Das Merkblatt sagt ausdrücklich, dass die Arbeit länger dauert, weil Schichten trocknen müssen und die Technik aufwendiger ist.
Warum der Boden für Großformate ebener sein muss
Für einen normalen Estrich erlaubt die Norm für Bautoleranzen eine Unebenheit von 4 Millimetern auf 1 Meter und von 10 Millimetern auf 4 Metern. Für normale Fliesen reicht das. Unter einer 120 Zentimeter langen Platte bleiben bei 4 Millimetern Unebenheit aber ein Hohlraum, den kein Kleber füllt, und eine Kante, die über die Nachbarplatte hinausragt.
Das Merkblatt hält die Norm für Großformate deshalb für nicht ausreichend. In der Regel muss der Boden vorher geschliffen oder gespachtelt werden, in einem eigenen Arbeitsgang. Das ist eine Arbeit, die extra kostet und nicht im Quadratmeterpreis steckt. Fehlt sie im Angebot, fehlt sie oft auch auf der Baustelle.
Auch die Feuchte zählt. Ein Zementestrich darf unter Großformaten höchstens 2,0 Prozent Restfeuchte haben, ein Gipsestrich ohne Heizung höchstens 0,5 Prozent und mit Fußbodenheizung höchstens 0,3 Prozent. Beim Verlegen sollen im Raum 16 bis 23 Grad und höchstens 65 Prozent Luftfeuchte herrschen.
| Anforderung | Wert oder Regel | Wer sorgt dafür |
|---|---|---|
| Ebenheit des normalen Estrichs | 4 Millimeter auf 1 Meter, 10 Millimeter auf 4 Metern | Estrichleger |
| Zusätzlicher Ausgleich für Großformate | Schleifen oder Spachteln, eigener Arbeitsgang, kostet extra | Fliesenleger oder Estrichleger, im Angebot |
| Restfeuchte Zementestrich | höchstens 2,0 Prozent | Fliesenleger misst |
| Restfeuchte Gipsestrich | ohne Heizung 0,5 Prozent, mit Heizung 0,3 Prozent | Fliesenleger misst |
| Raumklima beim Verlegen | 16 bis 23 Grad, höchstens 65 Prozent Luftfeuchte | Sie oder die Bauleitung |
| Plan der Bewegungsfugen | wo Fugen liegen und wie groß die Felder sind | Architekt, bei Sanierung ohne Architekt der Fliesenleger |
So verlegt der Fliesenleger Großformatfliesen
Bei normalen Fliesen zieht der Fliesenleger den Kleber mit einer gezahnten Kelle auf den Boden und drückt die Fliese hinein. Unter einer großen Platte schließt sich dabei leicht Luft ein. Deshalb kommt beim Großformat Kleber auf den Boden und zusätzlich eine dünne Schicht auf die Rückseite der Fliese. Fachleute nennen das Buttering-Floating.
- Boden prüfen: Ebenheit mit Messlatte messen, Restfeuchte messen, zu unebene Stellen schleifen oder spachteln.
- Grundieren: Ein Gipsestrich wird vorher angeschliffen und gegen die Feuchte aus dem Kleber geschützt.
- Verlegeplan machen: Wo liegen die Fugen, wie groß werden die Felder, wo wird geschnitten?
- Platten prüfen: Fliesen dürfen in Maß und Kantengeradheit um bis zu 2,0 Millimeter abweichen. Fliesen mit exakt geschliffenen Kanten halten das Maß besser.
- Kleber auf beide Seiten auftragen und die Platte mit Rüttler oder Klopfbrett einschwimmen.
- Ausrichten: Laschen und Keile ziehen benachbarte Platten auf eine Höhe. Sie verringern überstehende Kanten, verhindern sie aber nicht ganz.
- Fugen von mindestens 3 Millimetern anlegen und die Bewegungsfugen des Estrichs übernehmen.
- Den Randstreifen aus Schaumstoff erst nach dem Verfugen abschneiden, damit sich der Boden weiter bewegen kann.
Überstehende Kanten und hohler Klang beim Großformat
Eine Kante, die über die Nachbarplatte hinausragt, lässt sich beim Großformat nur mit viel Aufwand ganz vermeiden. Schon die erlaubten Maßabweichungen der Platten von bis zu 2,0 Millimetern können sich zu spürbaren Kanten addieren, auch bei sorgfältiger Arbeit. Das Merkblatt nennt das ausdrücklich, besonders für Fliesen, die versetzt verlegt werden. Wer Großformate im Versatz bestellt, bestellt dieses Risiko mit.
Auch ein heller, hohler Klang an manchen Stellen ist beim Großformat für sich allein kein Mangel. Eine Verlegung ganz ohne Hohlräume ist nach dem Merkblatt handwerklich nicht erreichbar. Ein Mangel liegt vor, wenn sich eine Platte bewegt, bricht oder an der Kante nachgibt.
Bewegt sich eine Platte, ist sie gerissen oder gibt sie an der Kante nach?
Das ist ein Mangel. Schreiben Sie ihn ins Protokoll, setzen Sie eine Frist und behalten Sie das Doppelte der Reparaturkosten zurück.
Steht eine Kante so hoch, dass man daran hängen bleibt, oder wiederholt sie sich in einer ganzen Reihe?
Das kommt meist vom Boden oder vom Verlegen. Halten Sie es im Protokoll fest und verlangen Sie Nachbesserung.
Einzelne kleine Kanten und ein hohler Klang allein sind beim Großformat nach dem Merkblatt hinzunehmen. Notieren Sie die Stellen trotzdem.
Wie Sie die fertige Fläche prüfen und Mängel festhalten, erklärt der Ratgeber zur Abnahme der Fliesenarbeiten.
Wie schwer Großformatfliesen sind
Ein Quadratmeter Feinsteinzeug mit 8 Millimetern Stärke wiegt nach Angaben der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft rund 28 Kilogramm, mit Kleber rund 31 Kilogramm. Ein Hersteller nennt für Feinsteinzeug im Schnitt 20 bis 22 Kilogramm je Quadratmeter. Eine Platte von 60 mal 120 Zentimetern wiegt damit je nach Dicke 15 bis 20 Kilogramm, eine von 120 mal 120 Zentimetern 30 bis 40 Kilogramm.
Als Richtwert dafür, was eine Person heben und tragen sollte, nennt die Berufsgenossenschaft 23 bis 25 Kilogramm. Große Platten tragen deshalb zwei Leute, und auch zu zweit wird es nicht einfach halb so schwer. Auf ebener Strecke trägt jeder etwa 60 Prozent der Last, auf einer Treppe die untere Person bis zu 80 Prozent. Wer im dritten Stock ohne Aufzug fliesen lässt, zahlt deshalb für Hilfsmittel oder für mehr Zeit.
Naturstein oder Mosaik statt Großformat
Großformatiger Naturstein folgt denselben Regeln, mit zwei Besonderheiten. Naturstein bricht leichter und wird deshalb dicker hergestellt. Und die Dicke der Platten darf nur um 1 Millimeter nach oben oder unten abweichen, sonst passen Kleberbett und Ausrichtsystem nicht. Der Naturwerkstein-Verband empfiehlt Fugen von etwa 3 Millimetern bis 60 Zentimeter Kantenlänge und etwa 5 Millimeter darüber. Je nach Stein rät das Merkblatt zu eher gedrungenen Formaten, die höchstens doppelt so lang wie breit sind.
Mosaik ist das Gegenteil des Großformats: viele Fugen, wenig Fläche je Stein. In einer bodengleichen Dusche folgt es dem Gefälle ohne überstehende Kanten, und seine vielen Fugen fangen Bewegungen des Bodens auf. Der Preis dafür ist mehr Arbeit beim Verfugen und mehr Fugen, die gereinigt werden wollen.
Häufige Fragen
Ab welcher Größe gilt eine Fliese als Großformat?
Eine Fliese gilt als Großformat, wenn sie 60 bis 120 Zentimeter Kantenlänge und mehr als einen Viertel Quadratmeter Fläche hat, lange Fliesen in Holzoptik bis 150 Zentimeter. Am Boden muss sie mindestens 7,5 Millimeter dick sein. Noch größere Platten heißen Megaformate.
Wie eben muss der Boden für Großformatfliesen sein?
Für Großformatfliesen muss der Boden ebener sein, als die Norm für normale Estriche verlangt. Die Norm erlaubt 4 Millimeter Unebenheit auf 1 Meter und 10 Millimeter auf 4 Metern. Das Merkblatt der Sachverständigen hält das für Großformate für zu wenig und verlangt meist zusätzliches Schleifen oder Spachteln, das extra kostet.
Wie breit müssen die Fugen bei Großformatfliesen sein?
Die Fugen bei Großformatfliesen müssen mindestens 3 Millimeter breit sein. Bei gesägtem Naturstein empfiehlt der Naturwerkstein-Verband etwa 3 Millimeter bis 60 Zentimeter Kantenlänge und etwa 5 Millimeter darüber.
Ist ein hohl klingender Boden aus Großformatfliesen ein Mangel?
Ein hohl klingender Boden aus Großformatfliesen ist für sich allein kein Mangel. Eine Verlegung ganz ohne Hohlräume ist nach dem Merkblatt der Sachverständigen handwerklich nicht erreichbar. Ein Mangel liegt vor, wenn sich eine Platte bewegt, bricht oder an der Kante nachgibt.
Wie schwer ist eine Großformatfliese?
Eine Großformatfliese aus Feinsteinzeug wiegt bei 8 Millimetern Stärke rund 28 Kilogramm je Quadratmeter, mit Kleber rund 31 Kilogramm. Eine Platte von 120 mal 120 Zentimetern bringt damit 30 bis 40 Kilogramm auf die Waage. Solche Platten heben zwei Leute mit Saughebern.
Kann man Großformatfliesen auf Fußbodenheizung verlegen?
Ja, Großformatfliesen lassen sich auf Fußbodenheizung verlegen, wenn der Estrich trocken genug ist: Zementestrich höchstens 2,0 Prozent Restfeuchte, Gipsestrich höchstens 0,3 Prozent. Weil Großformate wenige Fugen haben, können kleinere Felder oder eine Entkopplungsmatte nötig werden.
